Am 9. September 2026 fuhr das Pastoralteam der Seelsorgeeinheit nach Weingarten: zu einem ehemaligen Vikar, in eine befreundete Gemeinde – und mitten hinein ins Leben einer anderen Seelsorgeeinheit.
Unsere Reise begann am verregneten Morgen des 9. September 2026. Das Pastoralteam unserer Seelsorgeeinheit versammelte sich am Pfarrbüro St. Andreas, um nach Weingarten aufzubrechen.
Zur Delegation gehörten Pfarrer Dietmar Hermann, Gemeindereferentin Veronika Tilinè-Vitèz, die Sekretärinnen Ulrike Koch und Caterina Schaich, Pastoralassistentin Vanja Ivković und Referent Aleksei Volchkov. Unser erfahrener und der Strecke kundiger Fahrer war Mesner und Hausmeister Sebastian Pollok.
In der Katholischen Seelsorgeeinheit Weingarten wirkt heute Pfarrvikar Franklin Joseph Pottananickal. Zwei Jahre lang war er Vikar bei uns. An diese Zeit erinnern wir uns gern – mit unserer Gemeinde verbindet ihn bis heute Freundschaft. Ziel der Fahrt war nicht nur der Besuch eines alten Freundes, sondern auch der Einblick in Leben und Arbeit einer anderen katholischen Seelsorgeeinheit.
Der Weg führte durch die reizvolle Landschaft der Schwäbischen Alb und Oberschwabens. Niedrige Berge, Schluchten und Täler prägten das Bild; zwischen den Höhen lagen schwäbische Städtchen und Dörfer. An den Fenstern des Gemeindebusses zogen bedeutende Bauwerke vorbei: Schloss Lichtenstein, das ehemalige Benediktiner-Münster Unserer Lieben Frau in Zwiefalten und in der Ferne die Wallfahrtskirche St. Johannes Baptist auf dem Bussen.
Den Bussen nennt man den „Heiligen Berg Oberschwabens“. Von weitem erscheint er als einsamer Hügel mit einer Kirche auf dem Gipfel und gilt der ganzen Gegend als Orientierungspunkt. Oben steht die Wallfahrtskirche des heiligen Johannes des Täufers. Seit langer Zeit steigen dorthin nicht nur die Menschen aus den Nachbardörfern, sondern Pilger aus ganz Oberschwaben.

Zuerst zeigte uns Franklin sein Pfarrbüro und das Haus, in dem er wohnt. Das schönste Geschenk für die Gäste war ein herzhaftes, gutes Essen.

Beim Mittagessen ging es um die Mühe pastoralen Dienstes heute und um die Herausforderungen, vor denen jede katholische Seelsorgeeinheit steht. Das Gespräch ging auch nach dem Essen weiter.
Pastoralreferentin Carolin Augé erläuterte Referent Aleksei Volchkov die Öffentlichkeitsarbeit der Seelsorgeeinheit Weingarten. Anders als viele andere Einheiten geben sie keinen eigenen Gemeindebrief heraus. Kirchliche Beiträge erscheinen im städtischen Wochenblatt „Weingarten im Blick“: eigene Seiten sind dem Gemeindeleben vorbehalten. Dort stehen nicht nur Gottesdienstordnung und Nachrichten, sondern auch ein pastorales Wort. Das zeigt ein vertrauensvolles, partnerschaftliches Verhältnis zwischen katholischer Gemeinde und Stadt. Im württembergischen Oberland, einem historisch katholischen Landstrich, sind solche Beziehungen keine Seltenheit.

Weingarten zeichnet außerdem ein starker katholischer Instagram-Kanal aus – einer der lebendigsten und sichtbarsten in der Diözese Rottenburg-Stuttgart.
Nah sind sich unsere Seelsorgeeinheiten auch durch ein gemeinsames Experiment: Wie in der Seelsorgeeinheit Reutlingen-Nord arbeitet in Weingarten eine Referentin für Engagemententwicklung. Sie heißt Sonja Blattner.
Anschließend führte Pfarrvikar Franklin die Gäste durch die drei Kirchen seines Dienstes. Jede hat ihre eigene Mentalität und ihren eigenen Charakter. Diese Unterschiede wahrzunehmen gehört zur Pflicht des Hirten.

St. Maria und Heilig Geist entstanden in den 1960er Jahren in neuen Stadtteilen. Sie sind modern gebaut und erinnern an die uns vertrauten Kirchen in Mittelstadt und Orschel-Hagen.
Einen ganz anderen Charakter hat die Hauptkirche der Stadt, die Basilika St. Martin und Oswald auf dem Martinsberg. Man nennt sie oft die Barockkönigin Oberschwabens: einst Kirche der Benediktiner-Reichsabtei, heute Pfarr- und Wallfahrtskirche. Rund 102 Meter lang, mit einer Kuppel von 67 Metern Höhe, zählt sie zu den größten barocken Kirchenbauten Deutschlands und ist die größte Kirche der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Wir traten ein: der weiße Saal mit den Fresken von Cosmas Damian Asam und der Heilig-Blut-Reliquie prägt nicht nur die Silhouette Weingartens, sondern auch den Geist der Gemeinde St. Martin.

Franklin berichtete vom Stand der Restaurierung und vom Plan eines neuen Altars. Hier dient der Seelsorger nicht mehr in einem „neuen Quartier“, sondern an einem Ort, an dem Pfarrei, Wallfahrt und das Gedächtnis des Klosters zusammenkommen.
Die Rückfahrt verlief in stiller Ruhe. Die Teilnehmer der Teamreise dachten über das Erlebte nach. Es war einer jener Fälle, in denen eine Dienstfahrt und der Wunsch, einen Freund zu sehen, zu einer geistlichen Wallfahrt werden – und die Seele des Christen reicher und Gott näher wird.

Wir danken Pfarrvikar Franklin Joseph Pottananickal für den herzlichen Empfang und dafür, dass er uns seine neue Seelsorgeeinheit geöffnet hat.
Text, Fotos: Aleksei Volchkov
























