Lizenzentzug und Kastensystem: Caritas-Partner Pfarrer Gabriel berichtet aus Indien

Lizenzentzug und Kastensystem: Caritas-Partner Pfarrer Gabriel berichtet aus Indien

MADS aktuell

Vielfältig sind die Aufgaben, welche die CARITAS Indien zu stemmen hat und groß sind die Hindernisse von Seiten der derzeitigen Zentralregierung unter Präsident Modi, – das wurde allen bewusst, die am 30.9. dem Gewährsmann unseres Partnerschaftsprojektes MADS (Mädchen aus Dalitfamilien stärken), Pfarrer Gabriel Gnanathiraviam, zuhören konnten.

Pfarrer Gabriel bedankte sich zunächst ganz herzlich für jede Unterstützung, die es der indischen Caritas möglich macht zu helfen. Er betonte, dass vor allem Frauen und Mädchen der Unterstützung bedürfen, was konkret realisiert wird in Form von

  • Grundschulbetreuung,
  • Nähschulen
  • und kostenloser Bereitstellung von Nähmaschinen, Vermittlung von Basiswissen IT,
  • Gründung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen in den Dörfern,
  • Aufnahme und Betreuung traumatisierter Frauen in speziellen Häusern
  • und – Partnerschaften wie unser MADS-Projekt, das die Bildung armer Mädchen sichert und ihnen erlaubt, ihre Rechte einzufordern und auf eigenen Füßen zu stehen.

Der Hindu-Regierung ist vor allem die Arbeit der NGOs und der Kirchen ein Dorn im Auge, und sie hat in der letzten Zeit 22 000 dieser Organisationen, darunter der Weltmission, verschiedenen caritativen Projekte, sogar dem Mutter-Theresa-Projekt die Lizenz entzogen, zum Teil mit nicht nachvollziehbaren Argumenten.

Nach der Verfassung ist Indien ein säkularer demokratischer Staat. Verschiedene Hindu- Politiker wollen diesen Zustand allerdings ändern und dem Hinduismus Verfassungsrang zukommen lassen. Das würde die Situation vor allem der Konvertiten und der DALIT, der Unberührbaren, noch schwieriger machen, als sie eh schon ist.

Wie Pfr. Gabriel ausführte, ist die Basis des Hinduismus die religiös und – daraus abgeleitet – auch gesellschaftlich legitimierte Ungleichheit, wonach zum Beispiel die oberste Kaste der Brahmanen an der Spitze der religiösen Hierarchie steht und exklusive Rechte besitzt, z.B. heilige Rituale durchzuführen und die Veden (heilige Schriften) zu lehren.

Die weiteren drei Kasten (Varna) kategorisieren die Gesellschaft von oben nach unten. Besonders schwierig ist die Situation für die DALIT, die in ganz Indien 16,6 % und in Tamil Nadu 7 % ausmachen. Unter den Katholiken im Erzbistum Madurai machen die DALIT und Tribals fast 40 % aus, 265 000 sind Katholiken. DALIT stehen außerhalb des Kastenwesens und gelten rituell als unrein, weil ihre Berufe mit dem Tod (Lederarbeit) oder dem Schmutz (Abfallbeseitigung) zu tun haben.

Neben der Kaste spielt auch das Geschlecht eine Rolle bei der religiösen Gleichberechtigung: So werden Frauen oft allein aus biologisch bedingten Gründen als unter den Männern stehend betrachtet, und viele DALIT Frauen oder Mädchen sind sexueller Übergriffe ausgesetzt oder werden sogar vergewaltigt.

DALIT-Mädchen sind also doppelt benachteiligt. Diese strukturelle Benachteiligung können wir zwar nicht beseitigen, aber unser Projekt kann doch einigen Mädchen eine Hilfe sein, indem es ihnen eine Schulbildung ermöglicht und ihnen dadurch den Weg in eine bessere Zukunft ebnen kann. Bildung hat das größte Hoffnungspotenzial, denn es stärkt das Selbstvertrauen und die Widerstandskraft. Jenseits ihrer konkreten Situation erfahren unsere geförderten Mädchen außerdem etwas für sie besonders Wichtiges, wie Pfr. Gabriel abschließend betonte: Ihr Leben, an dem fremde Menschen aus einem anderen Kontinent Interesse haben und Anteil nehmen, ist wertvoll.

Angela Madaus

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