Am Sonntag, 1. November 2026, feierte die Gemeinde um 10.30 Uhr in St. Andreas die Eucharistie mit einem besonderen Allerseelengedenken.
Im gemeinsamen Gebet fanden die Erinnerung an die Verstorbenen, die Trauer um ihren Verlust und die Hoffnung auf die Auferstehung ihren Platz.

Im Gottesdienst wurden die Namen der seit dem letzten Allerseelenfest Verstorbenen aus unseren beiden katholischen Pfarreien St. Andreas und St. Franziskus verlesen. Zu ihrem Gedenken entzündete Pfarrer Dietmar Hermann die Osterkerze als Zeichen der Hoffnung auf das Leben bei Gott.
Zur Feier der Gottesdienste an diesem Sonntag trugen viele Menschen bei. Besonders danken wir Ingrid Wiedmann für den Lektorendienst, Thomas Draxler als Kommunionhelfer und Verena Schöttler an der Orgel.
In seiner Predigt erinnerte Pfarrer Hermann daran, dass Allerheiligen auch den vielen Menschen gilt, die ihren Glauben und ihre Liebe oft unbemerkt gelebt haben. Ihr Beispiel könne dazu ermutigen, dem eigenen Leben Tiefe zu geben und Verantwortung füreinander zu übernehmen.
Das Totengedenken gebe zugleich der Trauer einen Raum. Wo im Alltag häufig erwartet werde, nach einem Verlust schnell wieder zu „funktionieren“, dürften Schmerz und Vermissen ihren Platz haben. Die christliche Auferstehungshoffnung beschrieb Hermann als Geborgenheit in Gottes Liebe, als Verwandlung des Lebens und als Gemeinschaft über die Grenze des Todes hinaus. „Der Tod hat nicht das letzte Wort. Die Liebe ist stärker“, lautete eine zentrale Botschaft seiner Predigt.

In den Fürbitten betete die Gemeinde für Trauernde und Sterbende sowie um die Kraft, einander beizustehen.
Das Dankgebet erinnerte an die Menschen, die unser Leben bereichert haben, und verband die Erinnerung an sie mit der Bitte, voller Liebe und Hoffnung in den Alltag zurückzukehren.
Die Predigt im Wortlaut folgt unten.

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn,
schauen wir heute einmal auf unseren Alltag. Wir sind meistens sehr gut darin, unsere eigene Existenz zu managen. Wir planen, wir optimieren, wir sichern uns ab. Wir hängen an unseren Smartphones, an unseren Aufgaben, an unseren Beziehungen, an unserer Gesundheit. Wir leben in einer Welt, die auf Machbarkeit, Sichtbarkeit und das Hier und Jetzt geeicht ist.
Und dann – mitten in diesen vollen Terminkalender hinein – kommen Allerheiligen und Allerseelen.
Zwei Tage im trüben November, die uns abrupt aus dem Takt bringen. Sie erinnern uns an das, was wir im modernen Alltag am liebsten verdrängen: Das Leben ist endlich! Der Tod gehört zum Leben.
So fühlt sich das heutige Fest fast ein bisschen fremd an. Friedhofsbesuche, Kerzen, Namen von Verstorbenen, die verlesen werden. Da entsteht schnell ein Gegensatz: Auf der einen Seite die grelle, laute Welt des Fortschritts – und auf der anderen Seite die Stille der Gräber.
Doch die Botschaft von Allerheiligen und Allerseelen ist alles andere als weltfremd. Sie trifft genau ins Herz unseres Suchens nach Sinn, Trost und Halt.
Da ist zunächst die Erinnerung an die Heiligen. Es geht um alle Heiligen, also besonders auch um jene, die keinen eigenen Gedenktag haben. Es geht hier um Vorbilder im Menschsein.
Traditionell denken wir bei Heiligen an Menschen, die zur Ehre der Altäre erhoben wurden und uns makellos erscheinen. Doch wenn wir genau hinsehen, feiert die Kirche heute all jene, die ihr Leben auf echte, tiefe Weise bestanden haben – oft unbemerkt von der Weltgeschichte.
Diese Heiligen sind keine Übermenschen, sondern Leuchttürme der Authentizität. Es sind Menschen, die begriffen haben, worauf es ankommt:
- Liebe statt Egoismus.
- Haltung statt Beliebigkeit.
- Hoffnung statt Zynismus, selbst wenn es dunkel wurde.
Heiligkeit ist die Einladung, dem eigenen Leben Tiefe zu geben. Die Heiligen sagen uns: Das Leben hat Spuren hinterlassen. Es musste nicht perfekt sein, aber es musste echt sein.
Mit dem heutigen Totengedenken nehmen wir zugleich Allerseelen vorweg. Hier geht es um die Kunst des Erinnerns.
Wenn wir an Allerseelen der Verstorbenen gedenken, spüren wir den Schmerz der Lücke. Ein geliebter Mensch fehlt. Der Platz am Tisch bleibt leer.
In einer Gesellschaft, die oft verlangt, dass man „schnell wieder funktioniert“ und „nach vorne blickt“, tut das Totengedenken gut. Es erlaubt uns die Trauer. Es gibt dem Schmerz einen Raum. Erinnerung ist nicht einfach nur Wehmut. Erinnerung ist der Beweis dafür, dass Liebe stärker ist als der Tod. Was bleibt von einem Menschen, wenn er geht? Die Art, wie er geliebt hat, wie er gelächelt hat, wie er Wunden geheilt hat.
Im Gedenken holen wir die Verstorbenen in unsere Gegenwart zurück. Sie sind nicht weg; sie sind nur woanders. Wir sagen: Sie lieben weiter im Himmel.
Wie aber stellen wir uns Auferstehung heute vor?
Auferstehung ist vollendete Geborgenheit. Stellen Sie sich das vor wie das Gefühl, nach einer langen, anstrengenden Reise endlich nach Hause zu kommen. Endlich die Belastungen ablegen zu können. Sich nicht mehr rechtfertigen, nicht mehr kämpfen, nicht mehr beweisen zu müssen. Auferstehung bedeutet, bedingungslos angenommen zu sein in einer unendlichen, göttlichen Liebe.
Auferstehung ist Verwandlung, nicht Verlängerung. Es geht nicht um eine endlose Verlängerung unseres irdischen Alltags mit all seinen Sorgen und Schmerzen. Es ist eine Metamorphose – wie die einer Raupe, die sich im Kokon verwandelt und als Schmetterling in eine völlig neue Dimension aufbricht. Unser Leben, all das Gute, das wir getan haben, und all unsere Sehnsucht gehen nicht verloren, sondern werden in eine vollkommene, ewige Form gehoben.
Auferstehung ist das Ende der Einsamkeit. Der Tod trennt, aber Gott verbindet. In der Auferstehung finden wir die Menschen wieder, die wir vermissen – nicht im schattenhaften Gestern, sondern im hellen, ewigen Jetzt Gottes.
Wenn wir uns den Fragen des Lebens und Sterbens stellen, bleibt die zentrale Frage: Was tröstet mich, wenn der Boden unter den Füßen wankt?
Es tröstet uns, dass wir nicht ins Leere fallen. Der Glaube an Gott sagt uns: Am Ende unseres Lebens wartet kein schwarzes Loch, kein kalter Kosmos, sondern ein Du. Ein Gott, der unseren Namen kennt und uns mit offenen Armen empfängt.
Es tröstet uns die Gemeinschaft der Kirche – über die Grenze des Todes hinaus. Die Feier von Allerheiligen und Allerseelen ist ein gemeinschaftsstiftendes Band. Wir sind verbunden mit denen, die uns vorausgegangen sind, und mit denen, die hier leben und im Alltag stehen. Die Kirche des Himmels und die Kirche der Erde gehören zusammen. Niemand ist allein.
Es tröstet uns die Gegenwart des Augenblicks. Weil wir wissen, dass das Leben ein Geschenk auf Zeit ist, lernen wir es erst richtig schätzen. Der Trost des Glaubens lähmt uns nicht, sondern macht uns frei: frei, heute zu lieben, heute zu verzeihen, heute Sinn zu stiften.
Liebe Schwestern und Brüder im Herrn,
der Novemberwind mag kalt sein und die Tage kurz. Doch die Kerzen, die wir heute auf den Gräbern anzünden und die wir in unseren Herzen tragen, sind kleine, helle Zeichen gegen die Dunkelheit.
Sie rufen uns zu: Der Tod hat nicht das letzte Wort. Die Liebe ist stärker.Mögen Allerheiligen und Allerseelen uns den Mut schenken, unser Leben bewusst zu leben, die Erinnerung an unsere Lieben in Ehren zu halten – und mit einer tiefen und lebendigen Hoffnung in die Zukunft zu gehen.
Amen.


