„Kirche der Begegnung“ – Ideen werden lebendig

„Kirche der Begegnung“ – Ideen werden lebendig (mit Fotoreport)

Bericht vom Workshop am 8. Juli 2026 in Pliezhausen

Am Mittwochabend, 8. Juli 2026, trafen sich 16 Ehrenamtliche, Interessierte und Hauptamtliche unserer Seelsorgeeinheit im Franziskussaal in Pliezhausen zum Workshop „Kirche der Begegnung – Ideen umsetzen, Kirchenräume neu denken und lebendig machen“.

Dieser Workshop ist eine direkte Weiterentwicklung der beiden früheren Veranstaltungen der Seelsorgeeinheit:

Er knüpft an die dort entwickelten Ideen an und vertieft sie mit Blick auf die konkrete Umsetzung in der Kirchengemeinde.

„Ihr seid nicht allein“

Genau diese Botschaft zog sich wie ein roter Faden durch den gesamten Abend. Die Moderatoren Bernhard Pertenbreiter und Aleksei Volchkov (Referent für Engagemententwicklung) betonten von Anfang an: Wer eine Idee hat, muss sie nicht allein tragen.

Aleksei Volchkov eröffnete den Abend mit einem geistlichen Impuls.

Er erinnerte daran, dass christliches Engagement nicht aus Pflicht, sondern aus Gnade und Freude wächst. „Ehrenamt ist kein Muss, sondern ein Privileg“, sagte er und zitierte den Jesus Christus:

„Geben ist seliger als nehmen“ (Apg 20,35).

Im Anschluss an den geistlichen Impuls stellte Aleksei Volchkov zunächst das neue Prozessschema vor, das den Weg von der ersten Idee bis zur konkreten Umsetzung übersichtlich darstellt.

Danach präsentierte er die neu entwickelte Mitmach-Börse auf der Website der Seelsorgeeinheit – eine praktische Plattform, auf der man bestehende Angebote und Projekte finden, filtern und sich direkt einbringen kann.

Bernhard Pertenbreiter stellte die Unterstützung vor, die die Diözese Rottenburg-Stuttgart dem Ehrenamts- und Projektengagement bietet. Er präsentierte unter anderem das Buch „Hoffnungsträger, nicht Lückenbüßer – Ehrenamtliche in der Kirche“ (herausgegeben von Gabriele Denner) sowie die neue Arbeitshilfe der Deutschen Bischofskonferenz zum Thema Ehrenamts- und Engagemententwicklung. Dieses Dokument wurde unter wesentlicher Beteiligung der Diözese Rottenburg-Stuttgart erarbeitet.

Fünf lebendige Ideen

Im Hauptteil des Abends stellten vier Personen ihre Projekte vor – jede Präsentation nur vier Minuten, aber voller Leidenschaft:

Zunächst schilderte Bernhard Pertenbreiter seine Erfahrungen als Gottesdienstleiter in der diakonischen Einrichtung „Rappertshofen“ unter dem Motto: „Wir gehen nach Rappertshofen, Rappertshofen kommt zu uns.“ Die Umsetzung des 2. Teil der Zielsetzung ist allerdings das Schwierigere, da die Bewohner unterschiedlich behindert sind und daher auch unterschiedliche Hilfe benötigen. Fruchtbar und bereichernd sei vor allem das persönliche Gespräch vor Ort, betonte Bernhard.

Veronika Tilinè-Vitèz stellte ein neues und vom KGR initiiertes Projekt vor: Einmal monatlich soll in Zukunft ein von Laien gestalteter Gottesdienst stattfinden. Seine Umsetzung ist völlig offen, sodass die verschiedensten Vorschläge eingebracht werden können: Gruppenspezifische oder anlassbezogene thematische Andachten (Erinnerungs-Tauffeiern, Adventsgottesdienste etc.) gestaltet mit oder ohne Gottesdienstleiter, mit oder ohne Musik usw. Es ist eine interessante Möglichkeit des Engagements, das einfach ausprobiert werden muss, soll aber nicht als Konkurrenzveranstaltung zur Wort-Gottes-Feier mit Kommunion verstanden werden.

Thomas Leyener erläuterte die Möglichkeit des „Sterbesegens“, der einen „wesentlichen pastoralen Vollzug“ darstellt und angesichts der Überlastung der Priester und der strukturellen Umgestaltung der Kirchengemeinden in Zukunft eine diakonisch bedeutsame seelsorgerliche Aufgabe sein wird: Was steckt dahinter? Oft müssen Sterbende ihrer letzten Stunde ohne Begleitung durch einen Priester entgegengehen, weil aufgrund verschiedener Umstände so schnell keiner gefunden werden kann. In dieser Notsituation kann auch ein Laie dem Sterbenden und seiner Familie Trost geben, indem er den Sterbesegen spendet und den Beerdigungsdienst übernimmt. Dies ergänzt die professionelle Begleitung durch ausgebildete Mitarbeiter und Projekte, die sich der würdevollen Gestaltung von Abschied und Beerdigung widmen. Immer mehr wird es in Zukunft generell darauf ankommen, wo Menschen Trost, Hilfe, Ansprechpartner finden. Daher soll auch ein Netzwerk zur Trauerbegleitung gebildet werden und Bestehendes ausgebaut werden.

Ein konkretes musikalisches Projekt stellte Angela Madaus vor. Da speziell die Karwoche als konzentriertes Glaubensbekenntnis den liturgischen Höhepunkt des Kirchenjahres darstellt, könnten hier weitere musikalische Akzente gesetzt werden, zum Beispiel im Karfreitagsgottesdienst. Projektiert wird (zunächst!) als zeitlich umgrenztes Projekt der Aufbau einer „Schola“, deren Fokus auf meditativem einstimmigen oder mehrstimmigen Gesang in Form gregorianischer Gesänge oder Passionsliedern liegt. Die Proben finden unter Leitung eines Chorleiters (angefragt wird Dietmar Pietsch!) ab Aschermittwoch statt. Zur Begleitung darf auch ein Instrument eingesetzt werden. Geeignet wären viele Instrumente, z.B. (Quer-) Flöten.

Brunhilde Leyener regte daher an, einen Ort zu schaffen, an dem für jeden Hilfesuchenden niederschwellig Gesprächspartner zur Verfügung stehen, die zuhören können, Raum zum Aussprechen eröffnen und auf weitere Hilfen verweisen können.

Danach arbeiteten die Teilnehmenden in vier Gruppen mit der Methode ZWUP (Ziele – Wege – Unterstützung – Probleme). Dieser aus dem Projektmanagement stammende Ansatz von Aleksei Volchkov half, schnell von der Begeisterung zu konkreten Schritten zu kommen: Was ist der nächste Schritt? Welche Räume und Menschen werden gebraucht? Welche Hindernisse gibt es?

Ergebnisse und nächster Schritt

Die Gruppen präsentierten ihre Plakate im Plenum. Es entstanden nicht nur neue Ideen, sondern auch erste konkrete Zusagen. Viele Teilnehmende trugen sich direkt in Projekte ein, die sie besonders angesprochen hatten.

Zum Abschluss stand der kleine „Markt der Möglichkeiten“ bereit – ein Stand mit bereits laufenden Initiativen der Seelsorgeeinheit. Dort konnte man sofort sehen, wo noch helfende Hände und Herzen gesucht werden.

Was bleibt?

Die Teilnehmenden gingen mit neuen Kontakten, konkreten Ideen und vor allem mit dem Gefühl nach Hause: Kirche sind wir gemeinsam.

Solche Workshops sollen künftig viermal im Jahr stattfinden. Der Workshop am 8. Juli diente dabei als Pilotveranstaltung, mit der wir ein klares Standard-Modell für zukünftige Abende entwickelt haben. In Zukunft werden diese Workshops immer mit einem kurzen Überblick über den aktuellen Stand der bereits besprochenen Projekte beginnen, bevor dann neue Ideen und Vorschläge vorgestellt und gemeinsam weiterentwickelt werden.

Möchten Sie Ihre eigene Idee einbringen oder sich bei einem Projekt beteiligen?

Schreiben Sie gerne an Aleksei Volchkov, Referent für Engagemententwicklung.

Gemeinsam machen wir unsere Kirche noch lebendiger und einladender.

Text: Angela Madaus, Aleksei Volchkov
Bilder: Aleksei Volchkov

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