Der eine Sohn sagt „ja“ – und tut nichts. Der andere sagt „nein“ – und geht dann doch. Mit dieser Familiengeschichte aus dem Evangelium (Mt 21,28–32) haben die Eucharistiefeiern am 26. Sonntag im Jahreskreis die Gemeinden eingeladen, nicht beim Reden stehen zu bleiben.
Am Sonntag, 27. September 2026, wurde um 09.00 Uhr in St. Gebhard und um 10.30 Uhr in St. Andreas Eucharistie gefeiert; in St. Andreas gab es zugleich Kinderkirche.
Die Predigt von Pfarrer Dietmar Hermann holte das Gleichnis in den Alltag: in die Schule, in die Pubertät, an den Stammtisch und ins eigene Gewissen. Jesus spricht zu denen, die meinen, sie hätten den Glauben und seien die Rechten – und setzt sie mit dem Sohn gleich, der Ja sagt und nichts tut. Wichtig ist ihm der, der in Bewegung kommt.
In dieser Familiengeschichte ist es eindeutig auch in der anschließenden Interpretation Jesu, er sympathisiert mit dem Zweiten. Ihm ist der wichtig, der in Bewegung kommt, der bereit ist Reue zu zeigen. Jesus möchte den, der umkehrt.
Darum bringt er auch das Beispiel der Zöllner und der Dirnen. Sie waren damals die, die am Rande standen, die verachtet waren, die unsaubere Berufe hatten. […] Die vom Rande der Gesellschaft waren es, die sich vom Reich Gottes, von Jesu Botschaft ansprechen ließen, umkehrten, zum Heil fanden.
Er fordert uns quasi auf, denke einmal darüber nach, wo Du in Bewegung kommen musst, wo Du etwas bereust, wo Du umkehren willst. Dies ist das Heilsame, das Gute an diesem Text.
Genau dieses Ja und Nein nahm auch das Fürbittgebet auf. Gebetet wurde für die Ja-Sager an Stammtischen, in virtuellen Räumen und in öffentlichen Medien, die einander nach dem Mund reden, alles vereinfachen und ihren Idolen folgen – und darum, dass sie kritische Distanz finden und sich und andere nicht in die Irre führen. Gedacht wurde derer, denen ein „nein“ entgegenschlägt: die nicht beachtet, mit Vorwürfen überzogen oder als Flüchtlinge einfach abgelehnt werden. Die Gemeinde bat um geprüfte Blicke und gespitzte Ohren.
Zur Feier der Gottesdienste trugen an diesem Sonntag viele Menschen bei. Besonders danken wir Margot Mattedi und Hermann Rist für den Lektorendienst sowie Kornelia Wittek und Dietmar Pietch an der Orgel.
Unsere Gottesdienste leben davon, dass Menschen ihre Zeit, ihre Begabungen und ihre Freude am gemeinsamen Feiern einbringen.
Die Predigt im Wortlaut folgt unten.
Liebe Schwestern und Brüder im Herrn,
wenn Jesus schwer zu verstehende Sachverhalte uns näher bringen wollte, suchte er Beispiele.
So auch in dieser Familiengeschichte die er hier erzählt.
Da sind ein Vater und zwei Söhne. Der Vater bittet die Söhne zu im Weinberg zu helfen, dort etwas zu arbeiten.
Der eine sagt ja, tut aber nichts.
Der andere zeigt sich widerständig, er begehrt auf und sagt nein. Später aber reut es ihn und er geht doch.
Solche Familiengeschichten sind auch uns bekannt.
Denken wir nur an so manche Schülerin oder Schüler: Die Mutter möchte etwas: Wie oft kommt das Ja! Aber es wird nichts getan.
Oder schauen wir später auf die Pubertierenden, die trotzig gerne mal nein sagen. Manchmal aber kommen sie zur Einsicht und handeln doch nachher anders.
Und denken wir an die vielen Erlebnisse unter uns Erwachsenen: Wie oft behelfen wir uns doch indem wir sagen: „Ja, mir egal, du hast Recht; Hauptsache ich hab meine Ruhe.“
Es gäbe sicher noch viele andere Beispiele.
Übrigens gibt es auch noch andere Lösungswege, als in diesem Beispiel hier in der Bibel, z.B.
„Ja sagen und es tun, oder bewusst zu seinem Nein stehen…
Jesus nennt aber ganz bewusst nur die beiden.
Achten wir darauf zu wem er spricht: Zu den Pharisäern, zu den Angesehenen, zu denen die meinen, sie haben den Glauben, sie sind die Rechten.
Diese setzt er mit dem Sohn, der Ja sagt, gleich.
Seine Kritik ist: sie haben zwar den Glauben, tun aber nichts.
In dieser Familiengeschichte ist es eindeutig auch in der anschließenden Interpretation Jesu, er sympathisiert mit dem Zweiten.
Ihm ist der wichtig, der in Bewegung kommt, der bereit ist Reue zu zeigen. Jesus möchte den, der umkehrt.
Darum bringt er auch das Beispiel der Zöllner und der Dirnen.
Sie waren damals die, die am Rande standen, die verachtet waren, die unsaubere Berufe hatten.
Wir entdecken es an einigen Stellen der Bibel.
Die vom Rande der Gesellschaft waren es, die sich vom Reich Gottes, von Jesu Botschaft ansprechen ließen, umkehrten, zum Heil fanden.
Jesus erzählt eine Familiengeschichte:
Er will also Jede und Jeden von uns ermuntern in dieses Geschehen hinein zu kommen. Er fordert uns quasi auf, denke einmal darüber nach, wo Du in Bewegung kommen musst, wo Du etwas bereust, wo Du umkehren willst.
Dies ist das Heilsame, das Gute an diesem Text.
Vielleicht hilft es dem Evangelium noch näher zu kommen, wenn wir uns fragen: Wie werden wir hier und heute aufgefordert etwas zu tun?
Oft ist die Aufforderung ein Prozess in einem selbst.
Uns kommt ein Gedanke.
Unser Gewissen ist wie der Vater in dieser Familiengeschichte.
Wo holt uns also dieses Evangelium in unserem konkreten Lebensalltag ab?
Jeder erkennt in sich das Potenzial gut und böse zu sein.
Wir merkten, manchmal hadern wir mit uns selbst und wenn dann – in unserem inneren Angetriebensein – uns der innere Schweinehund packt, dann spüren wir, wie wir plötzlich beide dieser Söhne in uns tragen. Vielleicht kennen Sie ja auch die Worte „ma sott“, aber man tut es nicht.
Und genau dann ist das Evangelium hilfreich, denn es gibt uns den klaren Impuls in Bewegung zu geraten und zu handeln.
Martin-Luther schrieb auf seinen Arbeitstisch: „Ich bin getauft!“
Immer dann, wenn er unter Depressionen und Anfechtungserfahrungen litt, half ihm dies weiter. Dies war quasi seine Motivation, sein innerer Antrieb: Gott gab mir in der Taufe die Zusage, ich gehöre zu ihm.
Dies kann auch uns Motivation sein, stets in Bewegung zu kommen.
Der Prophet Johannes ist gekommen um den Weg der Gerechtigkeit zu zeigen. Die Zöllner und die Dirnen haben ihm geglaubt, so endet das Evangelium. Lassen wir uns also darauf ein: Nicht auf der Stelle zu treten, sondern umzukehren, in Bewegung zu kommen.
Dem heutigen Evangelium geht es um das Bewegt werden durch Gottes befreiendes Wort. Vielleicht fällt Ihnen etwas ein, wo Sie spüren: Hier bin ich gerade ein Ja-Sager, der nichts tut. Oder ich „sott“. Dann ist für Sie die Botschaft des heutigen Evangeliums ganz klar und Sie dürfen sich freuen, wer sich so in Bewegung bringen lässt, der erfährt Heil.
Amen













