Mit Hoffnung durch Zeiten des Umbruchs – Klausur der Kirchengemeinderäte 2026

Mit Hoffnung durch Zeiten des Umbruchs – Klausur der Kirchengemeinderäte 2026

Manchmal braucht es Abstand vom Alltag, um die eigene Arbeit zu reflektieren, neue Perspektiven zu entdecken und gemeinsam nach vorne zu schauen.

Am Freitag, 16., und Samstag, 17. Oktober 2026 kamen deshalb die Kirchengemeinderäte der Pfarreien St. Andreas und St. Franziskus sowie das Pastoralteam zu einer gemeinsamen Klausurtagung im Christkönigshaus in Stuttgart zusammen.

Insgesamt nahmen 20 Personen an der Klausur teil.

Moderiert wurde die Tagung von Tabea Höll-Maillet, katholische Hochschulseelsorgerin in Weingarten.

Den biblischen roten Faden der beiden Tage bildete die Geschichte des Mose und des Auszugs des Volkes Israel aus Ägypten. Nach der Befreiung aus der Knechtschaft begann für die Israeliten ein langer und schwieriger Weg durch die Wüste. Immer wieder sehnten sie sich nach den vermeintlich guten alten Zeiten zurück, erinnerten sich an die „Fleischtöpfe Ägyptens“ und murrten über ihre Lage. Doch trotz aller Zweifel und Schwierigkeiten ging ihr Weg weiter – getragen von Hoffnung und Vertrauen auf Gott.

Dieses biblische Bild lässt sich auch auf die Situation der katholischen Kirche in Deutschland übertragen. Wir leben in Zeiten tiefgreifender gesellschaftlicher Veränderungen und vielfältiger Krisen. Vertraute Strukturen verlieren an Selbstverständlichkeit, die Zukunft erscheint ungewiss. Wie damals das Volk Israel stehen auch wir vor der Herausforderung, Altes hinter uns zu lassen und mutig neue Wege zu gehen.

Auch unsere Klausurtagung hatte etwas von einer kleinen Wüstenwanderung: fern von den gewöhnlichen Verpflichtungen, von Arbeit und Zuhause, konnten wir uns Zeit nehmen, innezuhalten und über unseren gemeinsamen Weg nachzudenken.

Am Freitagabend begann die inhaltliche Arbeit mit persönlichen Fragen: „Wofür brenne ich? Was gibt mir Hoffnung? Worüber möchte ich murren?“ Alle Teilnehmenden konnten ihre Gedanken auf Papier festhalten und an einer gemeinsamen Wand sichtbar machen. Dabei zeigte sich, wie viel Begeisterung und Engagement in unseren Gemeinden vorhanden sind, aber auch, welche Sorgen und Enttäuschungen uns beschäftigen.

Die geistlichen Impulse am Freitagabend und am Samstagmorgen wurden von Gemeindereferentin Veronika Tilinè-Vitèz, Daniela Astfalk und Pfarrsekretärin Caterina Schaich gestaltet.

Pfarrer Dietmar Hermann teilte mit den Anwesenden eine persönliche Haltung, die gut zum biblischen Leitmotiv passte:

„Ich habe Hoffnung, und deshalb habe ich keine Angst vor der Zukunft.“

Nach dem offiziellen Programm am Freitagabend gingen die Gespräche in der Trinkstube in ungezwungener Atmosphäre weiter. Auch dieser persönliche Austausch gehört zu einer gelungenen Klausur.

Der Samstag stand ganz im Zeichen der Zukunft unserer Kirchengemeinden.

In mehreren Arbeitseinheiten suchten die Teilnehmenden gemeinsam nach Ideen und konkreten Handlungsmöglichkeiten für die kommenden Jahre. Im Mittelpunkt stand dabei der diözesane Entwicklungsprozess „Kirche der Zukunft“, der tiefgreifende Veränderungen in der Organisation und im Leben der katholischen Gemeinden mit sich bringen wird.

Dabei geht es nicht allein um neue Verwaltungsstrukturen und größere kirchliche Einheiten. Zugleich soll das kirchliche Leben vor Ort gestärkt werden. In diesem Zusammenhang gewinnt der Begriff „Kirchenort“ zunehmend an Bedeutung.

Doch was bedeutet dieser Begriff eigentlich?

Diese Frage sorgte für lebhafte Diskussionen. Kirchenorte können einerseits konkrete lokale Gemeinschaften sein, andererseits aber auch durch bestimmte Aufgaben und Schwerpunkte geprägt werden – etwa durch Jugendarbeit, Trauerbegleitung oder caritatives Engagement. Wie solche Kirchenorte künftig aussehen und zusammenwirken werden, ist noch nicht in allen Einzelheiten geklärt.

Tabea Höll-Maillet ging auf die zahlreichen, zum Teil durchaus kritischen Fragen der Teilnehmenden zu den Zielen und zur Umsetzung der Reform ein. Die Diskussion machte deutlich, dass der Veränderungsprozess noch viele offene Fragen mit sich bringt.

Besonders intensiv wurde darüber nachgedacht, welche Entwicklungen das Leben unserer Gemeinden gefährden könnten und welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, damit aus den anstehenden Veränderungen neue Chancen entstehen. Wie können wir Bewährtes erhalten, ohne uns dem Neuen zu verschließen? Was braucht es, damit Gemeinschaft auch unter veränderten Bedingungen lebendig bleibt? Und wie können wir selbst die Zukunft unserer Kirche aktiv mitgestalten?

Nicht alle Fragen konnten an diesem Wochenende beantwortet werden. Doch über das grundlegende Ziel bestand Einigkeit:

Wir wollen die Kirche der Zukunft mitgestalten, die Gemeinschaft vor Ort beleben und Räume schaffen, in denen Menschen Jesus Christus erfahren können.

Die Klausur bot Gelegenheit für offene Gespräche, kritische Reflexion und die gemeinsame Suche nach neuen Perspektiven. Sie zeigte, dass Veränderungen nicht nur Anlass zur Sorge sein müssen, sondern auch neue Möglichkeiten eröffnen können.

Ein herzlicher Dank gilt Tabea Höll-Maillet für die Begleitung der Klausur sowie allen, die dieses intensive und bereichernde Wochenende vorbereitet und gestaltet haben.

Wir hoffen, dass der kreative Impuls, den die Mitglieder der beiden Kirchengemeinderäte und das Pastoralteam aus diesen Tagen mitgenommen haben, schon bald auch im Leben unserer Gemeinden spürbar wird.

Text, Fotos: Aleksei Volchkov

Klausuren im Rückblick:

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