40 Jahre St. Franziskus

40 Jahre St. Franziskus – ein Fest der Dankbarkeit und Gemeinschaft (mit Fotoreport)

Am Sonntag, 4. Oktober 2026, feierte die Katholische Kirchengemeinde St. Franziskus in Pliezhausen ihr 40-jähriges Bestehen. Der Festtag verband gleich mehrere Anlässe miteinander:

  • das Jubiläum der Kirchengemeinde,
  • das Patrozinium des heiligen Franziskus von Assisi
  • und das Erntedankfest.

So stand dieser Sonntag ganz im Zeichen der Dankbarkeit – für vier Jahrzehnte Gemeindeleben, für die Gaben der Schöpfung und für die vielen Menschen, die St. Franziskus über die Jahre hinweg geprägt, begleitet und mit Leben erfüllt haben.

Der Festgottesdienst begann um 10.30 Uhr in der Kirche St. Franziskus.

Schon beim Betreten der Kirche fiel der festlich gestaltete Erntealtar ins Auge. Lydia Schmid und Chau Nguyen hatten ihn mit viel Sorgfalt vorbereitet und mit den Gaben der Ernte geschmückt. Zu Beginn des Gottesdienstes wurde außerdem das Erntedankbrot gesegnet.

Damit erhielt gleich zu Beginn ein Gedanke sichtbare Gestalt, der das Erntedankfest wesentlich prägt: Vieles von dem, was im Alltag selbstverständlich erscheint, ist keineswegs selbstverständlich. Lebensmittel, Natur, Wachstum und Ernte sind das Ergebnis menschlicher Arbeit, natürlicher Voraussetzungen und vieler Bedingungen, die nicht vollständig in unserer Hand liegen. Erntedank lädt deshalb dazu ein, innezuhalten und neu wahrzunehmen, was uns geschenkt und anvertraut ist.

Auch das Tagesgebet griff diese Haltung auf. Darin wurde Gott darum gebeten, der Schöpfung mit Ehrfurcht zu begegnen, Frieden in die Welt zu tragen und das Evangelium in Einfachheit und Freude zu leben. Zugleich stand die Bitte im Mittelpunkt, als Gemeinschaft Verantwortung für unsere Welt zu übernehmen.

Als Lektor wirkte Konrad Zöller im Gottesdienst mit.

Einen besonderen Anteil an der festlichen Atmosphäre hatte die Musik. Die musikalische Gestaltung übernahm Das Chörle Pliezhausen unter der Leitung von Dietmar Pietch. Mit mehreren Chorstücken begleitete das Ensemble die Liturgie und verlieh dem Gottesdienst einen festlichen und zugleich persönlichen Charakter.

Zum Gloria erklang „Halleluja. Amen“, nach der ersten Lesung „Komm, sag es allen weiter“. Bei den Fürbitten verband sich die Gemeinde mit dem Chor im Gesang von „Ubi caritas“. Zur Danksagung sang das Chörle „Heute ist ein herrlicher Tag“, nach dem Segen erklang „May the Lord send angels“.

In seiner Predigt richtete Pfarrer Dietmar Hermann den Blick auf den heiligen Franziskus von Assisi, dessen Tod sich in diesem Jahr zum 800. Mal jährt.

Die Predigt war bewusst interaktiv gestaltet: Die Gottesdienstbesucherinnen und Gottesdienstbesucher wurden eingeladen, selbst zu sagen, womit sie Franziskus verbinden. So entstand ein vielfältiges Bild des Heiligen – als Sänger des Sonnengesangs und Patron der Ökologie, als Friedensstifter, als Freund der Armen, als Gottsucher und Mystiker sowie als mutiger Erneuerer der Kirche. Pfarrer Hermann schlug dabei immer wieder die Brücke zur Gegenwart der Kirchengemeinde: zum Einsatz für Nachhaltigkeit und Frieden, zur Unterstützung von Projekten in Indien und Kolumbien und zu den aktuellen Fragen der Kirchenentwicklung in Mittelstadt und Pliezhausen. Im Zentrum stand jedoch ein Gedanke: Franziskus wollte das Evangelium nicht nur hören oder auslegen, sondern es konkret leben. Genau darin könne er auch heute Orientierung geben.

Ein Satz aus der Predigt brachte diesen Gedanken besonders prägnant zum Ausdruck:

Franziskanisch zu leben bedeutet vielmehr, sich heute ebenso ehrlich und konsequent dem Anspruch des Evangeliums zu stellen, wie Franziskus es damals getan hat.

Gerade zum 40-jährigen Jubiläum war damit nicht nur der Blick zurück verbunden, sondern auch die Frage nach der Zukunft: Was bedeutet es heute, als Kirchengemeinde den Namen des heiligen Franziskus zu tragen? Was soll bewahrt werden, und wo braucht es den Mut, neue Wege zu gehen?

Auch das Schlussgebet nahm die zentralen Gedanken des Tages noch einmal auf. Die Gemeinde bat darum, aus dem Gottesdienst hinauszugehen als leidenschaftliche Gottsucher, als Bewahrer der Schöpfung und als Menschen, die den Frieden dorthin tragen, wo sie leben und wirken.
Damit wurde deutlich: Ein Jubiläum ist nicht nur ein Anlass, auf Vergangenes zurückzublicken.
Es ist ebenso eine Gelegenheit, neu zu fragen, wofür eine Gemeinde heute steht und wie sie ihren Auftrag in Zukunft leben möchte.

Nach dem Festgottesdienst setzte sich die Feier in geselliger Atmosphäre fort.

Zunächst gab es einen Sektempfang. Anschließend kamen die Gäste im Franziskussaal zum gemeinsamen Mittagessen zusammen. Bei Kaffee und Kuchen bot sich später viel Gelegenheit zu Begegnungen, Gesprächen und zum Austausch gemeinsamer Erinnerungen.

Auch an die jüngeren Besucherinnen und Besucher war gedacht: Für die Kinder gab es ein eigenes Spielangebot.

Gerade diese Zeit nach dem Gottesdienst gehörte wesentlich zum Jubiläum. Viele Menschen, die St. Franziskus über Jahre oder Jahrzehnte begleitet haben, kamen miteinander ins Gespräch. Man traf bekannte Gesichter wieder, erinnerte sich an gemeinsame Erfahrungen und hatte zugleich Gelegenheit, neue Kontakte zu knüpfen.

Predigt im Wortlaut

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn,

wir feiern heute 40 Jahre Pfarrei St. Franziskus.

Und zugleich erinnert sich die ganze Welt in diesem Jahr an Franz von Assisi, dessen Tod sich zum 800. Mal jährt. Er starb vor 800 Jahren – und ist doch bis heute erstaunlich lebendig.

Sonst hätte man ihn wohl auch vor 40 Jahren nicht zum Patron dieser Kirche und unserer Kirchengemeinde gewählt. Unser Jubiläum ist deshalb ein guter Anlass, heute etwas genauer auf unseren Kirchenpatron zu schauen. Was fällt Ihnen spontan ein, wenn Sie an Franziskus denken?

Ja, wir merken schnell: Der heilige Franziskus ist eine außerordentlich reiche und vielschichtige Persönlichkeit.

  • Da ist der Sänger des Sonnengesangs, der Patron der Ökologie, solidarisch mit allen Geschöpfen.
  • Andere denken zuerst an den Friedensstifter, der verfeindete Städte versöhnte, einen bösen Wolf zähmte und sich mitten in einem brutalen Kreuzzug mit dem muslimischen Sultan zu einem friedlichen Gespräch traf.
  • Wieder andere fasziniert der prophetische Aussteiger mit seiner radikalen Armut, kompromisslos an der Seite derer, die an den Rand gedrängt wurden.
    Er ist Vorbild für Minimalisten – und auch all jene, die den Kapitalismus kritisch betrachten, können in ihm einen Verbündeten entdecken.
  • Und ganz wichtig natürlich: Franziskus ist ein leidenschaftlicher Gottsucher, ein Mystiker. Monatelang zieht er sich in Einsiedeleien zurück, und am Ende seines Lebens trägt er die Wundmale Christi an Händen und Füßen.
  • Für die einen war er ein treuer Sohn Roms, für andere ein mutiger und weitsichtiger Reformer.
    Wenn wir seine Bewegung mit der Reformation 300 Jahre später vergleichen, ist bemerkenswert, dass es ihm gelang, viel Neues in die Kirche zu bringen, ohne eine Kirchenspaltung herbeizuführen.

Vielleicht fällt Ihnen noch manches andere zu diesem Mann aus dem fernen Mittelalter ein, der uns auch 800 Jahre später erstaunlich nahe bleibt. Was Franziskus jedoch besonders auszeichnet, ist sein entschiedener Wille, das Evangelium zu leben.

Genau das sollten auch seine Brüder tun. Gleich im ersten Satz seiner Regel schreibt er ihnen programmatisch ins Stammbuch:

„Regel und Leben der Minderen Brüder ist dieses, nämlich unseres Herrn Jesus Christus heiliges Evangelium zu beobachten durch ein Leben in Gehorsam, ohne Eigentum und in Keuschheit.“

Klara wird diese Worte später fast wörtlich in ihre eigene Regel übernehmen. Sie gelten also gleichermaßen für Frauen und Männer.

Evangelium leben – darin steckt Dynamik. Was wäre, wenn wir Christen das wirklich ernsthaft versuchten?

Evangelium leben – das macht Franziskus über alle konfessionellen Grenzen hinweg zu einem der ökumenischsten Heiligen.

Evangelium leben – das ist eine oft unbequeme Herausforderung. Und zugleich kann es wunderbar frei machen.

Denn ich muss nicht alles tun, was Franziskus getan hat. Franziskanisch zu leben bedeutet nicht, einen Menschen zu imitieren, der vor 800 Jahren gelebt hat. Franziskanisch zu leben bedeutet vielmehr, sich heute ebenso ehrlich und konsequent dem Anspruch des Evangeliums zu stellen, wie Franziskus es damals getan hat.

Und dabei darf bei uns durchaus etwas anderes herauskommen als im Mittelalter.

In dieser verantwortungsvollen Freiheit entließ Franziskus schließlich auch seine Brüder:

„Ich habe das Meine getan. Was ihr tun sollt, wird euch Christus lehren!“

Was für ein Satz!

Seit 800 Jahren versuchen Menschen, inspiriert von Franziskus, etwas vom Evangelium zu leben. Bis heute. Und genau darin kann auch für uns, anlässlich unseres 40-jährigen Jubiläums, ein Ansporn liegen.

Franziskus ist der Patron der Ökologie, solidarisch mit allen Geschöpfen. Unsere Gemeinde ist als nachhaltige Gemeinde zertifiziert. Die Frage lautet aber: Leben wir diese Haltung nur hier in der Kirchengemeinde – oder auch zuhause, in unserem Alltag?

Franziskus ist Friedensstifter. Er versöhnt verfeindete Städte, zähmt den Wolf und begegnet mitten in einem brutalen Kreuzzug dem muslimischen Sultan zum friedlichen Gespräch. Wir leben heute in einer Gesellschaft, die immer stärker von Hass, Polarisierung und Ausgrenzung geprägt wird. Kann Franziskus nicht gerade deshalb für uns ein Ansporn sein, uns für Vermittlung und Dialog einzusetzen?

Seit Jahren sind wir in unterschiedlichen ökumenischen Formen mit einem öffentlichen Friedensgebet im Ort präsent – früher wöchentlich auf dem Marktplatz, später monatlich und heute noch mehrmals im Jahr an verschiedenen Orten.

Aber die Frage geht weiter:

Wie wirken wir persönlich? Erleben andere Menschen auch uns als Friedensstifter?

Franziskus ist ein prophetischer Aussteiger, geprägt von radikaler Armut und kompromissloser Nähe zu den Menschen am Rand.

Auch wir als Franziskusgemeinde versuchen, Verantwortung zu übernehmen. Wir unterstützen Schülerinnen in Indien unter dem Motto: „Mädchen aus Dalit-Familien stärken!“ Und wir fördern ein Straßenkinderprojekt in Kolumbien.

Wenn viele kleine Menschen an vielen Orten viele kleine Schritte tun, können sie das Gesicht der Welt verändern.

Das ist vielleicht nur ein kleiner Beitrag. Aber eben unser Beitrag.

Franziskus ist schließlich ein leidenschaftlicher Gottsucher und Mystiker.

Monatelang zieht er sich in Einsiedeleien zurück. Für die einen war er ein treuer Sohn Roms, für andere ein mutiger und weitsichtiger Reformer. Auch wir leben heute in einer Zeit großer Umbrüche und Aufbrüche in der Kirche.

In unserer Gemeinde laufen verschiedene Projekte. Erinnern wir uns an das Projekt in Mittelstadt:

„Die Kirche bleibt im Dorf, solange das Dorf in der Kirche bleibt.“

Oder an den Workshop zur Kirchenentwicklung in Pliezhausen.

Am 22. Oktober geht es weiter.

Vielleicht können wir gerade hier von Franziskus lernen: leidenschaftlich Gott zu suchen und zugleich den Mut zu haben, Neues zu wagen – ohne die Einheit der Kirche aus dem Blick zu verlieren.

Franz von Assisi wird der Satz zugeschrieben:

„Tu zuerst das Notwendige, dann das Mögliche, und plötzlich schaffst du das Unmögliche.“

Vermutlich stammt dieses Wort allerdings erst aus späterer franziskanischer Tradition.

Aber unabhängig von seiner genauen Herkunft bringt es etwas vom Geist nachhaltiger Erneuerung zum Ausdruck. Reformen müssen nicht spektakulär beginnen. Oft beginnen sie mit einem kleinen, aber mutigen ersten Schritt.

Und vielleicht ist genau das eine Botschaft, die wir aus dem Leben des heiligen Franziskus mitnehmen können:

  • das Notwendige erkennen,
  • das Mögliche tun
  • und dabei darauf vertrauen, dass daraus manchmal mehr wachsen kann, als wir selbst für möglich gehalten hätten.

In diesem Geist wollen wir mit Freude unser 40-jähriges Pfarreijubiläum feiern und zugleich des 800. Todestages des heiligen Franziskus gedenken.

Amen.

Text, Fotos: Aleksei Volchkov